Du bist was Du denkst

http://www.abenteuer-philosophie.org/artikel/131_du_bist_was_du_denkst.pdf

Durch deine Gedanken beeinflusst du deinen Geist und deinen Körper. Alle Überzeugungen, die du dir angeeignet hast, beeinflussen dein Leben und deine Gesundheit!

Ich gehe in eine Gruppe ca. 12 km von meinem Heimatort entfernt. Ich gehe sehr gerne da hin, da ich dort Freunde habe, die unter anderem ähnliches durchgemacht haben, wie ich. Eines muss ich hier mal ganz deutlich sagen. Jemand der dem Alkohol verfallen war, wieder zur „Vernunft“ kommt und abstinent lebt, ist deutlich sensibler, netter und verständnisvoller, als der Standard – Mensch. Ich bin gerne mit diesen Freunden zusammen und rede mit Ihnen über alle Themen dieser Welt, Alkohol, die schönen vergangenen Zeiten mit Alkohol, sowie die Zeiten die der Alkohol stark zerstört hatte und auch über die Zukunft. Aber immer wieder stelle ich fest, dass Vergangenheit und Zukunft völlig irrelevant sind. Alles was zählt ist das Jetzt. Das Leben spielt nur im Jetzt. Was ist denn nun das Jetzt? Es sind lediglich ein paar Augenblicke der vorgegaukelten Zeit oder der illusionierten Zeit. Alles was hinter dir liegt ist nun mal vergangen. An dem ist nichts mehr zu rütteln. Du kannst dich daran hochziehen, dich darüber aufregen, traurig darüber sein oder dich darüber freuen. Tatsache ist aber, es ist rum. Also kannst Du das auch im Fluss des Lebens ziehen lassen. Oder wie man so schön sagt, einfach loslassen. Nur dann kannst du davon loskommen. Zu jeder Zeit kannst du die Vergangenheit abhaken und neu beginnen. Warum auch nicht. Nur weil die Gesellschaft sich an deine Eskapaden erinnert, wird sie dich damit identifizieren. Keine Angst, die Menschen vergessen schneller als es dir lieb ist. Wichtig ist, was du dabei denkst und in wieweit du dein Leben von der Gesellschaft lenken lässt. Es ist ganz alleine dein Leben. Du musst es gestalten und du alleine musst entscheiden wie? Wenn du zeigst was du bist und wie dein Leben ist, wird auch bald dein Alkoholismus in Vergessenheit geraten. Das ist so und muss auch so sein, denn es gehört nicht mehr zu deiner Identität. Wenn du denkst, dass du ein gesunder Mensch bist, dann ist das so. Du bist aber auch davon überzeugt. Wenn das nicht der Fall ist, wirst du verlieren. Dann hilft auch dieses Buch nicht. Hier kommt das nun zum Tragen. Du bist was du denkst. Denkst du, du bist ein Gewinner, dann wirst du auch ein Gewinner sein. Denkst du, dass du es nie schaffen wirst, wird auch dies deine Zukunft sein. Der Spruch:“ Immer positiv denken.“ hat hier seine Wurzeln. Dieser Satz ist keine Floskel. Egal wer ihn ins Leben gerufen hatte, hat hier eine sehr bedeutende Formulierung erweckt. Und bitte. Nimm das ernst.

Hier habe ich mal ein total tolles Experiment für dich. Und ich sage dir, es funktioniert. Es ist sicherlich schon morgens oder irgendwann am Tag vorgekommen, dass plötzlich etwas schief geht und gleich danach noch etwas. Hilfe eine Pechsträhne! Und du dachtest das tatsächlich! Genau nun kommt es. Du bist was du denkst. Von dem Moment an hat man das Gefühl nichts will mehr gelingen. Am besten ich gehe nun ins Bett und verschlafe meine Pechsträhne. Irgendwann wird das schon vorbei sein. Dann ist das auch nach einer gewissen Zeit endlich rum. Aber zuerst ärgerst Du dich über diese permanenten negativen Erfahrungen. Dein Fokus liegt natürlich nun auf allem was du tust und du vermutest eine, nicht optimal im Lebensfluss laufende, Erfahrung in allem was du tust, über die du dich dann auch noch ärgern musst. Du bist mit allen Sinnen darauf fixiert. Solange bis endlich etwas kommt, was dich ablenkt oder dir positiv erscheint und dann geht wieder alles in seinen normalen Bahnen weiter. Hast Du sowas schon erlebt? Warum ärgerst du dich, wenn etwas, nach deiner Sicht, negatives geschieht? Es fällt z.B. eine Tasse Kaffee um. Du hast sie bei einer Bewegung berührt und alles ist auf dem Tisch verteilt. Es entwickelt sich sofort Zorn, Ärger und die Frage: „Warum muss das mir passieren?“ Jetzt nochmal kurz zum Thema – Leben im Jetzt – Die Tasse liegt um und die Flüssigkeit hat sich auf dem Tisch verteilt. Im schlimmsten Falle ist die Tischdecke dreckig und völlig durchnässt, einiges läuft auf den Boden und durchdrängt den Teppichboden. Du kannst Dich nun aufregen und stinkend sauer sein, dass das geschehen ist. Es ist aber schon geschehen. Du kannst an der Tatsache nichts mehr ändern. Ob du die Sauerei mit Bluthochdruck oder mit einer gewissen sicheren Ruhe ins Reine bringst, liegt nun an dir? Es stellt sich auch noch die Frage, was ist besser für dich und deine Gesundheit. Jetzt in diesem Moment und auch in Zukunft. Ganz klar steht aber fest es ist geschehen und nicht mehr umkehrbar. Früher bin ich auch abgegangen wie eine Rakete, wenn so etwas passierte. Minuten lang Ärger, Wut und böse Beschimpfungen an mich selbst oder an den Verursacher. Mittlerweile lässt mich sowas ganz cool. Was soll’s? Wir wischen das alles weg und weiter geht’s. Im schlimmsten Fall muss etwas gewaschen werden oder trocknen. Alles geht rum. Jede Situation ist dann und wann zu Ende. Ob das eine schöne Erfahrung ist oder ob du es mit etwas unangenehmen zu tun hast. Alles geht vorbei. Auch dieser Gedanke hilft mir in sehr vielen Situationen. Unteranderem beim Zahnarzt. Bohren geht vorbei, Schmerzen gehen vorbei, allerdings gehen auch schönen Dinge vorbei und letztendlich geht auch das Leben vorbei. Aber es kommt ja ein Neues, um weitere Erfahrungen zu sammeln. Jetzt nehme ich dir mal die Angst vor dem Sterben und der Reinkarnation. Du wirst nicht gezwungen ein weiteres Leben zu spielen. Du wirst es aber Wollen, weil es dir nach weiteren Erfahrungen gelüstet. Und die Erfahrungen die du machen möchtest kannst du dir erwählen. Somit kannst du dir auch erwählen wie du diese Erfahrung machen möchtest. Also in welchem Körper und in welchem Geschlecht, in welcher Zeit und an welchem Ort, sowie alle Voraussetzungen, die dazu nötig sind. Ich glaube es ist sogar möglich dein altes Leben nochmal zu erleben, sogar in abgeänderter Form. Im Universum oder in der Energie des Herren ist alles gespeichert was es geben könnte. Es gibt schon alles in der Theorie, alle Variationen, sie können alle erlebt und erfahren werden. Dies sind allerdings Glaubenstheorien von denen ich überzeugt bin. Ich setze nicht voraus, dass du diese annimmst. Jedes Individuum sollte das glauben was es für richtig hält. Du wirst die Realität in deinem Sterbefall eh erleben. In jenem Moment ist dir alles offenbart und du wirst alles wissen. Aber wenn du dein neues Leben beginnst, wird all dieses Wissen wieder in Vergessenheit geraten. Es scheint weg zu sein. Ist es aber nicht. Dazu aber später mehr. Zurück zur umgefallenen Tasse und zum Experiment. Wenn dir in den nächsten Tagen, etwas in dieser Art über den Weg läuft und du anfangen möchtest dich zu ärgern oder die Wut beginnt in dir hoch zu kochen, verhalte dich mal extrem positiv. Bitte nicht übertreiben oder lächerlich machen. Einfach nur positive Gedanken hegen. Sofort zu denken: „Alles wird gut.“ Das ist doch kein Problem, kann jedem passieren, das war kein Unglück nur eine Verkettung unglücklicher Zufälle. Pechsträhnen gibt es nicht. Auch wenn kurz darauf noch etwas geschehen sollte, was ärgerlich ist. Immer weiter positiv denken. Das Universum prüft schon mal, ob deine Gedanken ernst gemeint sind und dein hartnäckiges positiv denken wird belohnt. Die Strähne reist also gleich ab und der Tag pflanzt sich auch positiv fort. Versuch es und du wirst sehen, dein Leben ist in gewisser Weise beeinflussbar. Je öfter du das tust und dich in solchen Situationen positiv verhältst, desto eher wird diese Verhaltensweise zur Normalität. In diesem Stil kannst Du sehr viel beeinflussen in deinem Leben. Du bist eben was du denkst. Denkst du in dieser Situation, du bist ein Verlierer, dann verlierst du. Denkst du, du bist ein Gewinner, dann gewinnst du. Du bist was du denkst. So und genau dieses Verhalten kann man auch bei Krankheiten anwenden, ebenso wie man das auch im Beruf oder in einer Beziehung zur Geltung bringen kann. Es geht überall. So und ich behaupte nun, nein ich weiß nun, da ich es selbst durchgeführt habe, dass ich meinen Geist und auch du deinen Geist so transformieren kannst, dass du kein Alkoholiker bist. Die klassische Methode jemanden vom Alkohol fern zu halten ist, ihm einfach Angst zu machen. Und alles wovor ich Angst habe, kann ich im Leben nicht eliminieren, nicht loslassen und auch nicht davon gesunden. Zuerst zelebriert man die Angst vor einem Rückfall. Kommst du aus einer Alkoholtherapie nach Hause, ist ein Rückfall der Super-Gau. Der schlimmste anzunehmende Zustand, den man in seiner Abstinenz erreichen kann. Ich hatte nach meiner Therapie mehrere Rückfälle und ich bin nicht daran eingegangen. Ich habe sogar aus jedem Rückfall gelernt. Zur jetzigen Zeit muss ich sagen, dass diese Rückfälle ein Segen waren, sonst hätte ich niemals den richtigen Weg kennengelernt. Und hätte niemals dieses Buch schreiben können. Ich bin mir sicher, dass mir Gott diesen Weg gegeben hat. Er hat mich durch diese Tiefen und Höhen durchgeführt, um meine Erfahrungen und Erkenntnisse in diesem Buch verbreiten zu können. Hier wird nämlich gezeigt, wie ich den Alkohol hinter mir lasse. Alkohol eigentlich egalisiere. Dieses Buch, bzw. diese Erkenntnisse und Transformationen helfen jedem, der es von Herzen möchte, sich von der Krankheit „Alkoholiker“ zu befreien. Wenn du das alles verstehst und richtig umsetzt ist Alkohol in Zukunft ein Genussmittel für dich. Du wirst Alkohol zwar meiden, da er in keiner Weise irgendwo dienlich ist. Du musst aber keine Angst mehr vor versteckten Alkoholen haben, da sie eher ein Witz sind, als eine Gefahr. Du bist alkoholisch gesehen in keinerlei Gefahr mehr. Du entscheidest dich freiwillig gegen Alkohol. Es steckt einfach kein Sinn im Alkoholgenuss…

…Das erkläre mal deinen Angehörigen… die verbissen den veralteten Worten der klassischen Kampfmethode verfallen sind und den Sinn der Transformation nicht verstehen. – schade drum –

Der Visualisierungsprozess

Mache dir die Bilder in deiner Imagination so klar und lebhaft wie möglich. Wie genau reagierst du? Wo bist du? Wer ist noch dort? Wie ist das Licht? Wie stehst du? Wohin schaust du? Was hörst du? Was fühlst du? Sieh dich selbst agieren, wie du dich fühlst, wie du dich verhältst, wie du “bist”. Dabei ist es wichtig, dass du dieses Bild so lebhaft, so echt wie möglich in deiner Vorstellung erlebst. Sei aufmerksam gegenüber den kleinsten Details.

Stelle dir vor, wie du dich fühlst, wenn du als diese neue Persönlichkeit agierst. Wenn du bis jetzt eher schüchtern und zurückhaltend warst, sieh dich selbst in Situationen mit vielen Menschen, in denen du im Mittelpunkt stehst und das richtig genießt. Du liebst es dort im Mittelpunkt zu stehen und du fühlst dich genau deswegen richtig super. Wenn du in einer bestimmten Situation Angst hast, stell dir diese Situation vor, nur diesmal trittst du ruhig und gelassen auf. Es macht dir nichts aus, du bist selbstbewusst und du fühlst dich gut und stark in dieser Situation.

Tipp: Für viele Leute ist es einfacher sich diese Situationen vorzustellen, wenn sie sich selbst vor einer großen Kinoleinwand sehen und dort einen Film von sich selbst anschauen.

Wirkungsweise

„Wer heute einen Gedanken sät, erntet morgen die Tat, übermorgen die Gewohnheit und endlich sein Schicksal.“— Gottfried Keller

Warum und wie funktioniert dieses mentale Training? Hier kommt uns zu Hilfe, dass unser Gehirn nicht zwischen einer lebhaft vorgestellten Situation und einer realen Situation unterscheiden kann. Durch diese lebhaft vorgestellten Bilder pflanzt du dir also neue “Erinnerungen” bzw. positive Referenzerlebnisse in dein Unterbewusstsein ein. Diese wiederum wirken sich auf dein Verhalten aus und lassen dich in der jeweiligen Situation selbstbewusster und mit mehr Selbstvertrauen auftreten. Im Endeffekt baust du dir hier also durch reine Vorstellungs-kraft eine praktische Erfahrung – als ob du diese Situation wirklich so erlebt hättest! Hört sich im ersten Moment nach faulen Zaubertricks an, ich weiß. Aber erinnere dich an Basis-Zutat Nummer eins: Sei offen für neues und probier’s einfach aus! Du wirst es nicht bereuen. Ich dachte am Anfang auch: “was für ein Quatsch. Das hilft doch eh nicht.“ Bis ich es ausprobiert habe und diese unschätzbare Technik seitdem aus meinem Repertoire nicht mehr wegzudenken ist.

Wenn du diese Übung für die nächsten zwei Wochen machst, wirst du verblüfft sein, dass du in diesen Situationen nach einiger Zeit plötzlich wie automatisch anders handelst. Du musst gar nicht mehr nachdenken, wie und was du machen wolltest, es geschieht einfach automatisch. Und genau so sollte es auch sein – agieren ohne groß nachdenken zu müssen.

Vorbereitung + Ausführung = Veränderung

Wie bei einem Fußballspiel auch, gewinnt man allerdings nicht alleine durch die mentale Vorbereitung in der Kabine. Man muss schon raus auf den Platz gehen und antreten, wenn man wirklich ein Tor schießen will! Das mentale Training erhöht die Wahrscheinlichkeit drastisch, dass du auf dem Platz gewinnst. Wirklich siegen tust du aber nur, wenn du dich deinen Herausforderungen im realen Leben stellt.

Dein derzeitiges Verhalten ist einzig und alleine das Resultat deiner bisherigen Erinnerungen – ob real erlebt oder lebhaft vorgestellt – und wie du diese interpretiert hast. Genau so kannst du aber auch dein zukünftiges Verhalten beeinflussen – mit dieser mentalen Trainingsmethode. Fange gleich heute damit an!

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Du bist, was du denkst

Alles eine Frage der Einstellung? Wie unsere Gedanken unser Leben verändern können.

Kann man durch Denken abnehmen? Man kann…

Oder exakter: Man kann bei einer Tätigkeit mehr oder weniger Gewicht verlieren, je nachdem, wie man über sie denkt. Was wie eine neue Diätmarotte klingt, ist in Wahrheit die Erkenntnis einer Harvard-Professorin namens E. Langer. 2007 untersuchte sie, ob es sich positiv auf die Fitness von Zimmermädchen auswirke, wenn man ihren Job zum sportlichen Training umdefinieren und ihnen dieses mitteilen würde. Das Aufschütteln von Betten und das Schrubben von Bädern sollten als eine Art Training an unkonventionellen Fitnessgeräten begriffen werden. Das Ergebnis: Nach vier Wochen hatten jene Teilnehmerinnen, deren Arbeit zum Sport erklärt worden war, durchschnittlich ein Kilo abgenommen – allein durch eine veränderte Einstellung zur Arbeit. Die Kontrollgruppe machte ihren Job mit derselben Haltung wie zuvor – und blieb gleich schwer. Das Experiment ist einer von zahllosen Versuchen, welche die mittlerweile 69-jährige Langer unternommen hat, um ihrem Lebensthema „Wie viel Macht haben Gedanken über uns?“ auf den Grund zu gehen. In Hunderten von Studien erforscht sie schon seit den achtziger Jahren, wie sich Gedanken über uns und unsere Umwelt auf unsere Befindlichkeit auswirken. Heute liegen Langers Bücher in amerikanischen Buchhandlungen auf den Tischen mit den „wichtigen Neuerscheinungen“, und sie tritt im Fernsehen auf. Warum leben wir, wie wir leben? Wieso sind wir, wie wir sind? Können wir etwas ändern oder nicht? Im Mittelalter hätte man solche Fragen dem „Schicksal“, dem „Willen Gottes“ und der „Herkunft“ überlassen, mit einigen Psychoanalytikern kam im 20. Jahrhundert das Unbewusste ins Spiel, jene geheimnisvolle Unterströmung von Trieben und Prägungen aus der frühen Kindheit, die uns an erstaunliche und schreckliche Orte tragen kann. Ellen Langer hat nichts gegen Freud, sie räumt dem Unbewussten aber einen weit geringeren Stellenwert ein, als die Analytiker es tun. Sie interessiert sich für die Frage: Wie beeinflussen uns Informationen, die wir im Hier und Jetzt empfangen und auf bestimmte Weise interpretieren? Langers Ziel ist es, das Bewusstsein der Menschen dafür zu schärfen, dass ihre Handlungen größtenteils auf Annahmen über die Welt beruhen, die ihnen im Laufe der Zeit beigebracht oder eingeredet wurden – und die im Leben nicht unbedingt weiterhelfen.

>> Was wir sehen, hängt ganz alleine davon ab, worauf zu achten wir gelernt haben <<

Besucht man Frau Professor Langer in ihrem Haus unweit des Harvard-Campus, begegnet man einer ungestümen älteren Dame, die sich einen Hundewelpen im Tragetuch vor den Bauch gebunden hat wie ein Baby. „Das ist Sofie“, stellt sie den winzigen Terrier vor. Eben ist sie von einer Reise zurückgekehrt. Wenn sie nicht gerade in Harvard unterrichtet, ist die Wissenschaftlerin dauernd unterwegs – als Referentin für internationale Organisationen oder Wirtschaftsunternehmen. Oder um Auszeichnungen entgegenzunehmen. Langers Popularität hängt im Kern mit einem Buch zusammen, das sie vor fast dreißig Jahren veröffentlicht hat und dessen Thema sie seither variiert: Mindfulness. Doch Langers Verständnis von Achtsamkeit hat mit dem heute verbreiteten Trend der im Buddhismus verankerten Meditationspraxis wenig zu tun. Mit Mindfulness meint sie, sensibel zu werden: dafür, ob das, was ich über mich und die Welt denke, auch tatsächlich so ist.

In einem ihrer berühmtesten Experimente lud sie Anfang der achtziger Jahre alte Herren um die achtzig in ein ehemaliges Kloster in New Hampshire ein. Dort war alles so eingerichtet wie zu jener Zeit, als die Probanden zwanzig Jahre jünger waren. Uralte Bücher und Magazine lagen herum, im Fernsehen lief Rauchende Colts, und abends diskutierten die Testpersonen scheinbar zeitgenössische Themen wie die kubanische Revolution. Die Männer waren aufgefordert worden, sich über die Ereignisse jener Zeit so zu unterhalten, als fänden sie ganz aktuell statt. Eigentlich waren die Probanden es gewohnt, betreut und gepflegt zu werden. Jetzt lebten sie plötzlich eine Woche lang in einer Umgebung, die in keiner Weise dem entsprach, was als „altersgerecht“ galt: Mahlzeiten etwa wurden nicht zur festgelegten Stunde serviert, sondern mussten selbst zubereitet werden, und anschließend machten die Achtzigjährigen den Abwasch. Und, o Wunder: Nach sieben Tagen in der Zeitkapsel waren die Probanden beweglicher geworden, schnitten in den Hör-, Seh- und Intelligenztests deutlich besser ab als die Kontrollgruppe. Als sei auch das Altern bloß eine Frage der eigenen Einstellung. In welchem Ausmaß der Geist den Körper beeinflusst, zeigen auch die Versuche des amerikanischen Sozialpsychologen John Bargh: Er ließ die Teilnehmer einer Experimentalgruppe Kreuzworträtsel lösen, die negative Stereotype über das Älterwerden enthielten – etwa „schwerhörig“, „grau“, „Hautfalten“. Eine Kontrollgruppe löste Rätsel mit neutralen Wörtern. Danach wurden alle Probanden in ein anderes Gebäude geschickt, und die Forscher stoppten heimlich die Zeit, die jeder für den Weg benötigte. Und siehe da: Diejenigen, die sich mit Begriffen aus der Welt der Senioren beschäftigt hatten, liefen nachweislich langsamer als die anderen. „Priming-Effekte“ nennen Psychologen das Phänomen, dass Wörter oder Bilder beim Menschen spezifische Assoziationen an frühere Erfahrungen auslösen und so sein Verhalten beeinflussen. „Priming aktiviert Gedanken, die wir unaufmerksam aufgenommen und verinnerlicht haben“, sagt Ellen Langer. Solche unterschwelligen Gedanken zu entdecken, meint sie mit Achtsamkeit: „Was wir sehen, hängt davon ab, worauf zu achten wir gelernt haben. Mindfulness bedeutet: in dem, was wir bereits zu kennen glauben, etwas Neues entdecken.“ Seit einiger Zeit bietet Langer Kurse an, in denen man lernt, das alte Leben mit neuen Augen zu betrachten. Zum Beispiel überlegen sich die Teilnehmer neue Regeln für bekannte Spiele: Warum beim Schach nicht mal die Dame zur entscheidenden Figur machen? In einer anderen Übung schalten Rechtshänder eine Zeit lang auf die linke Hand um und Linkshänder auf die rechte – mal schauen, was passiert. „Man aktiviert dabei die jeweils andere Gehirnhälfte und kommt auf neue Gedanken“, so Langer. Obendrein übt sie mit den Teilnehmern ihrer Kurse das Reframing, eine verblüffend einfache Technik, die aus der Systemischen Familientherapie stammt und heute von Therapeuten aller Richtungen angewandt wird. Es geht darum, Ereignisse – also das, was die meisten Menschen Realität nennen – aus einem veränderten Blickwinkel zu betrachten und sich dadurch alternative Verhaltensmöglichkeiten zu eröffnen. Ein Beispiel: Ob wir jemanden, der sehr korrekt auftritt, als langweilig (negative Einschätzung) oder zuverlässig (positive Einschätzung) wahrnehmen, hängt von unserer Sichtweise ab – und führt zu sehr unterschiedlichem Verhalten gegenüber dieser Person.

Langers Methode ist einfach: Sie stellt grundsätzlich alles infrage. Aus ihrer Sicht ist der Grat zwischen dem Urteil und der sich selbst erfüllenden Prophezeiung schmal. Wer hat festgelegt, dass etwas so und nicht anders ist? Wer hat bewiesen, dass mit dem Alter zwangsläufig Sehvermögen und Kurzzeitgedächtnis nachlassen? Oder liegen diese Schwächen eher darin begründet, dass alle Schwierigkeiten von alten Leuten ferngehalten werden und sie dadurch kaum noch Erfolgserlebnisse haben? Ist körperlicher Verfall womöglich – zum Teil – eine sich selbst erfüllende Prophezeiung?

„Mindless automata“ nennt Langer jene Überzeugungen, die unser Leben steuern, ohne dass wir es bemerken – als seien wir darauf programmiert, fremde Gedanken ungeprüft zu übernehmen. Eine weitverbreitete unbewusste Annahme besteht zum Beispiel darin, dass Menschen glauben, bei Gymnastik grundsätzlich zu ermüden, wenn zwei Drittel der Übungen absolviert sind. Als Beweis für diese Regel ließ Langer drei Gruppen von Probanden unterschiedlich viele Hampelmann-Sprünge machen: Alle drei Gruppen kamen nach etwa zwei Dritteln der Übung aus der Puste – absolut unabhängig davon, ob sie hundert, dreihundert oder fünfhundert Sprünge absolvieren sollten.

Ähnliches gilt für Vorurteile über bestimmte gesellschaftliche Gruppen. Frauen, heißt es beispielsweise, seien schlecht in Mathematik. Wer dieses Vorurteil – oder andere Fälle von Voreingenommenheit – verinnerlicht hat, neigt dazu, es durch sein Handeln unbewusst zu bestätigen. So haben Experimente gezeigt, dass Teilnehmerinnen, die zu Beginn eines Mathematiktests auf einem Fragebogen ihr Geschlecht angeben müssen, eine deutlich schlechtere Leistung zeigen als in einem Test, bei dem das Geschlecht nicht zur Sprache kommt. Ähnliches gilt für weiße Amerikaner, die in einer Arbeit auffallend schlechter abschnitten, nachdem man ihnen mitgeteilt hatte, sie würden gemeinsam mit asiatischen Kommilitonen schreiben und die Leistungen würden später verglichen. All diese Experimente zeigen: Nicht nur was wir über uns selbst, sondern auch das, was wir über andere denken, hat enorme gesellschaftliche Konsequenzen.

>> Nichts ist wirksamer als das Selbstbild, mit dem du durch die Welt läufst. Noch dazu,

wenn du es für deine wahre Natur hältst <<

Langer gilt als Mitbegründerin der „Positiven Psychologie„, einer Richtung, die sich weniger für das interessiert, was Menschen krank macht, und mehr für das, was sie zufrieden und gesund macht. Eine regelrechte Bewegung wurde daraus Anfang der neunziger Jahre, als der amerikanische Psychologe Martin Seligman Präsident der einflussreichen American Psychological Association wurde. „Wir brauchen eine Wissenschaft, die sich mit menschlichen Stärken beschäftigt“, sagte Seligman. Es war der entscheidende Schub für die „Positive Psychologie“, der sich dreißig Jahre später in einer veränderten Haltung zur „professionellen Hilfe“ zeigt: Wer heute einen Coach, Therapeuten oder Mentaltrainer in Anspruch nimmt oder ein Kommunikationsseminar besucht, gilt nicht mehr als krank oder gestört – sondern als klug und bestrebt, etwas für das eigene Glück zu tun.

Negatives Denken:

Heute beschäftigen sich viele Psychologen mit der Frage, wie es sein kann, dass positive Gefühle wie Hoffnung und Optimismus Kraft in uns auslösen. Gabriele Oettingen, Professorin für Psychologie an der New York University und der Universität Hamburg, ist der Auffassung, dass positives Denken längst nicht ausreicht, um ans Ziel zu kommen. Ende der achtziger Jahre gehörte sie eine Zeit lang zu Martin Seligmans Team in den USA, dann schlug sie ihren eigenen Weg in der Motivationsforschung ein. Auf dem Konferenztisch in Oettingens Hamburger Büro stehen Teller mit Cocktailtomaten, Trauben und Paprika – gesunde Snacks für die gertenschlanke, ganz in Schwarz gekleidete 62-Jährige. Die Sitzmöbel sind weiß, auf dem Tisch ein frischer Strauß Tulpen, die Atmosphäre ist freundlich. Man gewinnt den Eindruck: Hier lebt jemand planvoll.

>> Was bringt Menschen dazu, in scheinbar aussichtslosen Situationen dazu, nicht aufzugeben? << 

Am Anfang von Oettingens Forschung stand der Begriff „Hoffnung“: Von klein auf hat es die Psychologin interessiert, was Menschen dazu bringt, in scheinbar aussichtslosen Situationen nicht aufzugeben. Aber hilft Hoffnung auch, wenn es um die Verwirklichung von Träumen geht? Als junger Wissenschaftlerin fiel Oettingen auf, dass die Psychologie unter den Begriffen Hoffnung und Optimismus fast das Gleiche versteht. Also machte sie sich daran, den feinen Unterschied herauszuarbeiten – und fand heraus, dass positives Denken nicht, wie allgemein angenommen, automatisch zu guten Ergebnissen führt. Jahrelang forschte Frau Oettingen, warum Menschen es einfach nicht schaffen, ihre Träume – etwa mit dem Rauchen aufzuhören oder Karriere zu machen – zu realisieren. Zu diesem Zweck bat sie beispielsweise eine Gruppe von Probandinnen, intensiv an die Schuhe ihrer Träume zu denken. Bei anschließenden physiologischen Tests stellte sich heraus, dass der Blutdruck der Teilnehmerinnen gesunken war, ihr Energiepegel also niedriger war als vor dem Tagtraum. Eine andere Studie zeigte, dass Jobsuchende, die sich bildhaft vorgestellt hatten, wie sie in einem Einstellungsgespräch brillierten, später weniger Angebote hatten und sogar weniger verdienten als die Teilnehmer derselben Studie, die negative Gedanken zugelassen hatten. Von hier aus war es nicht mehr weit bis zur Erkenntnis: Wer von einer besseren Zukunft träumt, denkt, er sei schon am Ziel. Positive Fantasien entspannen so sehr, dass sie die Energie absorbieren, die man braucht, um die Dinge anzupacken. In Folgestudien fand Oettingen heraus, dass diejenigen Testpersonen am erfolgreichsten waren, die sich zwar die Erfüllung ihrer Wünsche vorgestellt, in einem nächsten Schritt aber auch die Hindernisse auf dem Weg zur Erfüllung ausgemalt hatten. Überspitzt ausgedrückt: Oettingen entdeckte die Kraft des negativen Denkens. Für die Anwendung ihrer Forschung hat sie eine Technik entwickelt, mit welcher der Mensch im Alltag eigene Gedanken so steuern kann, dass sie zum Ziel führen. Woop heißt diese Methode, die man sich sogar als App aufs Handy laden kann. Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der einzelnen Komponenten zusammen: wish, outcome, obstacle, plan (Wunsch, Ergebnis, Hindernis, Plan). Die Idee des Programms ist es, sich Ziel und Hindernis innerlich so anschaulich vor Augen zu führen, als erlebe man beides tatsächlich – mitsamt den damit verbundenen Gefühlen. „Mentale Kontrastierung“ nennt Oettingen dieses gedankliche Gegenüberstellen von positiver Zukunft und dem Hindernis in der Realität. Der letzte Schritt ihrer Methode sieht dann den konkreten Plan vor, das Hindernis zu überwinden. „Woop verbindet Zukunft und Realität miteinander, ohne dass wir uns dessen bewusst werden“, sagt Oettingen. Wer sich die blühende Zukunft ausmalt und dann im Geiste die Hürden imaginiert, kann nicht mehr unbegrenzt schwelgen – er denkt die Widrigkeiten automatisch mit und analysiert mögliche Verhaltensweisen, mit denen er diese effektiv überwinden kann. Ein Beispiel der Psychologin: Die überstrapazierte berufstätige Mutter träumt von Ruhe und Gelassenheit. Malt sich gedanklich aus, wie herrlich es wäre, entspannt und locker durch den Alltag zu gehen. Dann realisiert sie, dass es vor allem die eigene Ordnungssucht ist, die das Hindernis darstellt. Und macht einen konkreten Plan: Wenn der Aufräumzwang in mir aufkommt, ignoriere ich bewusst die Unordnung. Vorausgesetzt, sie hat die einzelnen Stufen konzentriert und in der vorgegebenen Reihenfolge mental durchgespielt, prägt diese Strategie nun ihr Handeln, ohne dass sie sich dessen bewusst wird. Oettingen selbst „woopt“ jeden Morgen: „Es hilft mir, integrativer zu handeln und herauszufinden, was ich eigentlich will.“ Oettingens Methode klingt schlicht und unspektakulär. Die meisten Menschen glauben immer noch, mit Disziplin und Willenskraft ans Ziel zu gelangen. Wir sind es gewohnt, uns nur das als Erfolg zuzurechnen, was mit Schweiß und Anstrengung errungen wurde. Stellt der Erfolg sich beiläufig ein, sind wir misstrauisch. Weil wir schlechte Gewohnheiten lieber mit einer unerfüllten oralen Phase entschuldigen, statt einer simplen Strategie zu vertrauen, die erst unsere Gedanken, dann unser Handeln und schließlich unser Selbstbild verändert. Der Sportpsychologe Arno Schimpf begleitet seit über dreißig Jahren Spitzensportler in der Wettkampfvorbereitung. Er coacht beispielsweise die deutsche Fußballnationalmannschaft der Damen und diverse Fechter, Golfer und Hockeyspieler. Die Kraft der Gedanken, sagt der 62-Jährige, spiele eine zentrale Rolle bei seiner Arbeit: „Muskeln reagieren sehr sensibel auf das, was sich im Kopf abspielt. Hat man Angst, verkrampfen sie.“ Und: „Der Mensch ist in der Lage, allein durch Gedankenkraft die Muskeln zu aktivieren. Und zwar so intensiv, als führe er die Tätigkeit tatsächlich aus.“ Schimpf bringt den Sportlern auch bei, wie sie mit Tiefenentspannungstechniken den Herzschlag drosseln und die Blutgefäße weiten können. „Kommunikation mit den Organen“ nennt er diese Methode, in der er dazu anleitet, sich mit geschlossenen Augen in das Gefäßsystem des Körpers hineinzudenken und sich vorzustellen, wie mit jedem Atemzug Energie durch jede Verästelung hindurchströmt. Der Coach arbeitet auch mit „Ruhebildern“. Dafür bittet er die Sportler, sich Erinnerungen an eine angenehme Umgebung – eine Landschaft, ein Kaminzimmer, ein Himmelbett – mindestens eine Minute lang vor Augen zu rufen. „Da ist man sofort in einem Zustand, in dem einen nichts mehr stört. Muss man aber üben.“ Auch Schlaganfallpatienten absolvieren bei Schimpf gedankliche Trainingsprogramme. Um wieder in Form zu kommen, trainieren sie mit ihm Muskel-Innervation – also die Versorgung eines Muskels mit Impulsen über das Nervensystem. Zu diesem Zweck stellen sie sich verschiedene Bewegungsabläufe intensiv vor, sodass intakte Hirnregionen die Aufgaben der geschädigten Region mit übernehmen. An der Universität Tübingen haben Wissenschaftler untersucht, wie sich Fakire, Meister der Selbstbeherrschung, durch Gedankenkraft autohypnotisch in eine Art „Mikroschlaf“ versetzen und gleichzeitig ihren Blutdruck nach oben regulieren, um unempfindlich gegen Schmerzen zu werden. Auch Schmerzpatienten lernen heute über sogenanntes Biofeedback, ihre Muskelspannung oder ihren Blutdruck selbst zu verändern und den eingeübten Vorgang an ein bestimmtes, schnell abrufbares Bild zu koppeln – etwa die Vorstellung, sich einen Eiswürfel an die Schläfe zu legen. Längst haben sich in der Medizin eigene Felder wie die Psychoendokrinologie entwickelt, die den Zusammenhang von Hormon-, Immun- und Nervensystem mit Psyche und Verhalten untersuchen. Vieles deutet darauf hin, dass Krankheit und Gesundheit viel mehr mit dem Kopf zu tun haben, als die Schulmedizin sich träumen lässt. Einer der Versuche von Ellen Langer mit Diabetes-2-Patienten zeigte, welchen Einfluss unbewusste Erwartungen auf den Verlauf von Krankheiten haben können. Langer manipulierte das Zeitgefühl ihrer zuckerkranken Probanden mithilfe präparierter Uhren, auf denen die Zeiger langsamer liefen. Erstaunlicherweise reagierte die Biochemie des Körpers auf die behauptete und nicht auf die echte Zeit: Der Blutzuckerspiegel fiel, wenn die Uhr den gewohnten Zeitpunkt vorgaukelte, und nicht etwa, wenn der gewohnte Zeitpunkt tatsächlich erreicht war. Kann man sich positiv programmieren? Dies probiert der Sportcoach Arno Schimpf regelmäßig mit einfachen Ritualen. Noch im Bett legt er eine Hand aufs Herz und macht sich bewusst, welch großartige Arbeit dieses Organ leistet. Steht ein harter Tag bevor, packt er sich fünf Kaffeebohnen in die linke Hosentasche. Jedes Mal, wenn ihm etwas Gutes widerfährt, wandert eine Kaffeebohne hinüber in die andere Hosentasche. Sind alle Bohnen in der rechten Tasche wieder vereint, fühlt er sich gestärkt und gut gelaunt. Er hat sich bewusst gemacht: „Das Gute überwiegt.“ Und auch seinen Sportlern bringt Schimpf als Erstes bei, sich für sich selbst zu begeistern. Er hilft ihnen, Einstellungen, die über viele Jahre – vielleicht noch von den Eltern – geprägt wurden, zu ändern. Wertfrei an Dinge heranzugehen und festgefahrene Gedankenmuster (mind set) zu durchbrechen – etwa wenn man auf einen Gegner trifft, gegen den man bislang stets verloren hat. Auch in solch scheinbar aussichtslosen Fällen motiviert Schimpf die Sportler, indem er sie innerlich Bilder erfolgreicher Wettkampfsituationen aufrufen lässt – zum Beispiel einen Läufer, der an allen Konkurrenten vorbeizieht und ins Ziel sprintet. Oder ganz allgemein das Bild eines kraftvollen Tieres. Oder die triumphierende Becker-Faust. Aber was ist zu tun, wenn der Wunsch nach Veränderung diffus ist und das Ziel nicht so simpel wie Sieg in einem Wettkampf? Der Führungskräftetrainer Roland Kopp-Wichmann veranstaltet in einer alten Villa oberhalb des Neckars in Heidelberg Seminare für Menschen, die unzufrieden mit sich sind, aber nicht genau wissen, warum. Kopp-Wichmann bringt sie dazu, sich zu verändern – was das angeht, ist er selbst ein gutes Beispiel. Angefangen hat der 67-Jährige als Bankkaufmann, später arbeitete er als Werbetexter und Versicherungsvertreter, holte dann das Abitur nach und wartete in einem Kibbuz in Israel auf einen Studienplatz für Psychologie. Über den Buddhismus kam er vor langer Zeit mit dem Konzept der Achtsamkeit in Berührung, das er wiederum ein bisschen anders interpretiert als Ellen Langer: „Wir Achtsamkeitslehrer legen großen Wert auf die Unterscheidung von Gedanken und Wirklichkeit. Wie ich mit einer Situation umgehe, kann ich mir aussuchen. Das ist die Macht der Gedanken.“ Die Wirklichkeit ist – nach Kopp-Wichmann – das, was ich sehen will. Welche Bedeutung wir Ereignissen geben, hängt von unseren Erfahrungen ab, daraus entsteht eine „innere Landkarte“. Wer mit dieser Karte vertraut ist, kann laut Kopp-Wichmann nicht nur einzelne Verhaltensweisen verändern, sondern sein gesamtes Selbstbild. In den Seminaren ruft er den Teilnehmern zum Beispiel einen Satz zu und lässt sich ihre spontanen Reaktionen schildern. „Dein Leben gehört dir!“ – mit dieser Phrase fördert der Coach Erstaunliches über das Selbstbild seiner Klienten zutage: Ob sie ängstlich oder optimistisch auf den Satz reagieren, ratlos oder tatkräftig, hängt von ihren Prägungen aus Kindheit und Jugend ab, daran hat sich seit Sigmund Freud nichts geändert. Und nichts ist wirkmächtiger als das Selbstbild, mit dem jemand durch die Welt läuft. Noch dazu, wenn er es – zweite Fehlannahme – für seine wahre Natur hält. Hinderliche Selbstbilder versucht Kopp-Wichmann im Coaching zu verändern. Das funktioniert nicht in zwei, drei Sitzungen, aber es kann der Beginn einer langsamen Umorientierung sein. „Jemand, der immer der Herde gefolgt ist, stellt sich nicht plötzlich an die Spitze der Bewegung. Aber wenn er sich die Gründe klarmacht, warum er immer in der dritten Reihe steht, kommt etwas in Bewegung, und neue Handlungsspielräume öffnen sich.“ Am Ende des Prozesses steht im besten Fall, ohne dass der Klient es so richtig gemerkt hat, ein – mehr oder weniger – zum Guten verändertes Leben. Auch im Alltag, ganz ohne wissenschaftliche Studien, ist die Wirkmächtigkeit des eigenen Selbstbildes für jedes Ich erkennbar: nämlich daran, wie die Umwelt auf mich reagiert. Jeder Gedanke eines Menschen löst eigene Handlungen (und Haltungen) aus, auf die dann andere Menschen reagieren – und uns wiederum in dem bestätigen, was wir zu sein glauben. Ein unsicherer Jugendlicher provoziert Ablehnung bei den Altersgenossen, weil sein Verhalten von der Selbsteinschätzung geprägt ist: „Mich mag eh keiner.“ Und wer sich im Job nichts zutraut und sich wie ein Praktikant aufführt, bekommt automatisch die Hilfsarbeit zugewiesen. Und selbst wer seine Gedanken verbergen möchte, drückt sie unwillkürlich aus: Die meisten Ladendiebe werden von guten Detektiven laut einem Ausbilder bereits beim Betreten des Geschäfts erkannt – an ihrer Körpersprache. Auch pathologische Lügner sind ein Beispiel für die Wirkmächtigkeit des Selbstbildes. In Berlin sorgte kürzlich eine junge Frau für Aufsehen, die sich mit der Bitte um Sterbebegleitung an ein Hospiz gewandt hatte. Sie sei unheilbar krebskrank, hatte die Frau beteuert, daher stellte man ihr ein Begleiterteam ambulant zur Seite. Fast ein Jahr lang wurden der Mittzwanzigerin nach und nach all ihre letzten Wünsche erfüllt – sie wollte das Leben in seiner ganzen Fülle noch einmal durch den Reiz gefährlicher oder verbotener Dinge erspüren. Gleitschirmfliegen, Haschischrauchen – solche Sachen. Die Frau schilderte ihr Leid und die Diagnose so überzeugend, wie es nur Menschen fertigbringen, die echte Empfindungen am Lebensende formulieren. Anrührend sprach sie über Sehnsüchte und Ängste. Man hing gläubig an ihren Lippen, Bedenken gingen allenfalls in die Richtung, die Leidende könnte sich in ihrem fragilen Zustand überanstrengen. Bis sich herausstellte: Die ganze Geschichte war eine Lüge, die junge Frau kann hundert Jahre alt werden. Und die sich täuschen ließen, fragen sich nun: Wie konnte das passieren? Wie gelang der eingebildeten Kranken diese perfekte Täuschung über derart lange Zeit? „Am überzeugendsten täuscht, wer sich möglichst intensiv in die Rolle hineinversetzt, die er zu spielen hat. Bis er das, was er darstellt, selbst glaubt“, sagt Renate Volbert, 58, die am Institut für Forensische Psychiatrie der Berliner Charité unter anderem Glaubhaftigkeitsgutachten erstellt, etwa im Auftrag von Gerichten. Die eingebildete Kranke konnte ihr Leiden also deshalb so überzeugend präsentieren, weil sie sich selbst getäuscht hatte – bis hin zu sichtbarer körperlicher Veränderung. Selbstbild und Lüge waren hier identisch. So gesehen hat die junge Frau Ellen Langers berühmte Studie mit den alten Herren förmlich umgekehrt: Die Greise identifizierten sich mit ihrer Lebensweise aus früheren Zeiten und wurden dadurch munter. Die junge Frau versetzte sich gedanklich intensiv ans Lebensende und verkörperte dadurch Siechtum. „Anfangs war es wohl Spiel, später Identität“, vermutet Volbert. Mit anderen Worten: Gute Lügner machen sich auf pathologische Weise eine Kraft zunutze, die jeder von uns hat. Sie erzählen sich so lange selbst eine Geschichte, bis sie daran glauben – und alle anderen auch.

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Befreie Deine POWER!!!

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