Die legale Doge – BASISWISSEN –

Basisinformationen zum Alkohol

Alkohol ist als Droge gefährlicher als Cannabis. Alle Kulturen der Welt suchen nach Möglichkeiten, sich in Rausch zu versetzen. Ein „Recht auf Rausch“ postuliert keine „Pflicht zum Rausch“. Alle Drogen haben Nebenwirkungen, Alkohol auch tödliche. Nur durch eine sachliche und vorurteilsfreie Diskussion besteht eine Chance, Missbrauch darzustellen und wirkungsvoll zu bekämpfen.

Alkohol – legales Gift fürs Volk

Zellgift Alkohol

Die „legale Droge“, wie die Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie (BGChemie) das Rausch-Mittel tituliert, strömt das ganze Jahr über aus schier unversiegbaren Quellen. Mit rund 160 Litern alkoholischer Getränke pro Kopf und Jahr rangiert Deutschland auf Platz fünf, bezogen auf den Weltkonsum. Das teilt die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren in Hamm mit. Rein rechnerisch nimmt damit jeder Bundesbürger im Schnitt elf Liter reinen Alkohols zu sich. Eine Substanz, die den Organismus auf vielfältige Weise schädigen kann.

Alkohol – Chemiker bezeichnen ihn als Ethylalkohol oder Ethanol – ist ein Zellgift, das der Körper so schnell wie möglich abzubauen versucht, um so möglichen Schaden zu begrenzen. Trinkt ein Mensch beispielsweise einen halben Liter Bier, der etwa 20 Gramm reinen Alkohol enthält, gelangt der Stoff über die verschiedenen Stationen des Verdauungstraktsins Blut.

Wie Alkohol durch den Körper reist

Bereits im Mund gelangen geringe Mengen Alkohol über die Schleimhäute ins Blut. Schätzungsweise zwei Gramm Alkohol werden aus dem Magen aufgenommen. Der Löwenanteil tritt jedoch aus dem Dünndarm ins Blut und dann in die Leber. Das Enzym Alkohol-Dehydrogenase beginnt etwa ein bis zwei Stunden nach der Alkoholaufnahme mit dem Abbau des Alkohols. Da die Leberzellen damit beschäftigt sind, den Alkohol schnell wieder „loszuwerden“, geraten andere Stoffwechselprozesse aus dem Gleichgewicht. Beispielsweise ist der Körper nicht mehr in der Lage, Glukose für die übrigen Organe und vor allem für das Gehirn zur Verfügung zu stellen. Die Folge ist eine so genannteHypoglykämie , ein Abfall des Blutzuckerspiegels. In leichten Fällen führt sie zu Kopfschmerzen und Gereiztheit, in extremen zu Bewusstlosigkeit und Koma.

Chronischer Alkoholgenuss – die Folgen

Bei chronischen Alkoholikern wendet die Leber etwa 80 bis 90 Prozent ihrer Aktivität auf, um den Alkohol abzubauen. Dadurch gerät das chemische Gleichgewicht im Körper gänzlich aus den Fugen. Die Fettverdauung funktioniert nicht mehr, und es bilden sich vermehrt Fette in der Leber, die nicht mehr ausgeschleust werden können.Folge: Die Leber verfettet. Schließlich ersetzt die Leber Zellen, die durch das giftige Abbauprodukt Acetaldehyd geschädigt sind, durch Bindegewebe. Wie britische Wissenschaftler im Fachblatt „The Lancet“ publizierten, führt eine nicht behandelte Fettleber schließlich zur Leberzirrhose , dem langsamen Absterben der Leberzellen, und zur Leberschrumpfung. Die Wissenschaftler hatten insgesamt 88 Patienten mit einer Fettleber über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren beobachtet. Sie stellten fest, dass knapp zwanzig Prozent an einer Zirrhose oder einer Fibrose, dem bindegewebigen Umbau des Lungengerüsts, erkrankten.

Wirkungen auf das Gehirn

Auch im Gehirn ist Alkohol nicht untätig. So hemmt er beispielsweise in der Hirnanhangdrüse die Ausschüttung des Hormons Vasopressin. Dieses Hormon hat die Aufgabe, den Flüssigkeitsverlust über die Nieren zu begrenzen. Nimmt der Trinklustige literweise Bier zu sich, überlädt er sozusagen seinen Organismus mit Wasser und Alkohol, was ihn letztlich zum treuesten Gast der nahen Örtlichkeit macht. Mit dem Urin schwemmen aber auch wichtige Mineralien wie Kalium, Magnesium und Natrium aus dem Körper. Der Mangel an Elektrolyten wiederum beeinflusst die Aktivität der Nervenzellen im Gehirn. Bei den „Trinknasen“ ruft dies zwar zunächst die gewünschte Unbeschwertheit hervor, tags darauf aber ermattete Glieder und vernebeltes Denken.

Woher kommt der „Brummschädel“ am Morgen danach?

Beinahe jeder, der eine Nacht durchzecht und zu tief ins Glas geschaut hat, klagt am nächsten Morgen über den Brummschädel. Warum die Schädeldecke zu vibrieren scheint und Tausend Nadeln das Gehirn piksen, darüber rätselt die Fachwelt noch. Manche glauben, dass der Katerschmerz mit der erweiternden Wirkung des Alkohols auf die Gefäße zusammenhängt.

Unter seinem Einfluss setzen nämlich Blutplättchen, die sogenannten Thrombozyten, das Hormon Serotonin frei. Das Hormon weitet die Blutgefäße und reizt dadurch bestimmte Schmerzrezeptoren in der Gefäßwand der Blutbahnen. Andere Wissenschaftler halten wiederum das Acetaldehyd für den Übeltäter.

Für die letzte These sprechen zwei Tatsachen: Disulfiram, ein Medikament, mit dem Alkoholiker ihre Sucht bekämpfen, hemmt ein Enzym, das Acetaldehyd zu Essigsäure abbaut. Dadurch leidet der Abhängige derart unter Kopfschmerz, dass ihm die Lust am Trinken gründlich vergeht. Ein weiteres Faktum spricht für die Acetaldehyd-These: Jeder zweite Japaner besitzen einen natürlichen Gendefekt, der den Abbau von Acetaldehyd zu Essigsäure unterbindet. Auch wenn sie nur wenig Alkohol trinken, haben daher viele Japaner ähnlich heftige Kopfschmerzen wie Disulfiram-Patienten.

Frisches Pils gegen Katersymptome?

Wayne Jones, Mediziner am Nationalen Labor für Forensische Toxikologie im schwedischen Linköping, glaubt dagegen, eine andere Ursache für den Presslufthammer im Hirn gefunden zu haben: Ein mit dem Ethanol verwandter Stoff, der so genannte Methyl-Alkohol, soll dafür verantwortlich sein. Methyl-Alkohol findet sich laut Jones vor allem in billigen Rotweinen, in Fruchtlikören und Whisky. Er ist giftiger als Ethanol und wird zehnmal langsamer abgebaut. Jones stellte fest, dass die schlimmsten Katersymptome zeitlich mit der höchsten Konzentration an Methyl-Alkohol im Blut zusammenfallen. Ethanol hat der Körper dagegen schon fast vollständig abgebaut, schreibt Jones in einer Ausgabe des Wissenschaftsmagazin „New Scientist“. Er rät daher den Liebhabern ausschweifender Trinkgelage, dem Kater nicht nur mit einem kräftigen Frühstück, sondern auch mit einem frischen Pils das Fürchten zu lehren. Denn der darin enthaltene Alkohol ist die Lieblingsspeise des Leber-Enzyms Alkohol-Dehydrogenase – und dafür lässt es den Methyl-Alkohol links liegen. Dennoch ist dieser Tipp mit Vorsicht zu genießen. Denn gerade die Regelmäßigkeit lässt den Gelegenheitszecher oft zum Alkoholkranken werden.

Gelegenheitstrinker oder Alkoholkranker?

Ob ein Mensch zur einen oder anderen Gruppe gehört, kann letztlich nur ein Mediziner feststellen. Bei Mut zur Ehrlichkeit kann man es allerdings auch selbst testen. Es gibt zu diesem Thema verschiedene Fragenkataloge. Der wohl bekannteste ist der des Mediziners Wilhelm Feuerlein aus dem Jahr 1976. Da Alkoholiker ihre Krankheit meistens nicht wahrhaben wollen und die Diagnose schwierig ist, suchen Forscher nach einem geeigneten Test für die Messbarkeit des Alkoholismus. Vor einigen Jahren entdeckten sie den Eiweißstoff Carbohydrat-Defizients-Transferin (CDT), der zumindest eine Aussage über die vergangenen sieben Tage zulässt. Der CDT-Wert ist nämlich dann erhöht, wenn über eine Woche hinweg jeden Tag mehr als 50 bis 70 Gramm Alkohol konsumiert wurden. Vielen Medizinern geht der zugrunde gelegte Grenzwert von 60 Gramm reinen Alkohols pro Tag nicht weit genug. Das würde nämlich bedeuten, dass ein Mensch noch nicht als alkoholabhängig gilt, wenn er täglich anderthalb Liter Bier, einen dreiviertel Liter Wein oder neun Schnäpse trinkt. Wie viele Menschen tatsächlich alkoholabhängig sind, weiß daher niemand genau. Schätzungen gehen davon aus, dass sechs von hundert Einwohnern das Trinken nicht mehr lassen können. Viele von ihnen sterben an ihrer Abhängigkeit oder einer alkoholbedingten Folgeerkrankung.

Auf die Menge kommt es an

„Alkohol erhöht das Risiko für einen Schlaganfall und für Krebserkrankungen in der Speiseröhre , des Magens und der Leber“ , warnt Professor Günther Wolfram von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass Frauen, die täglich

zwölf Gramm reinen Alkohols zu sich nehmen, ein um vierzig Prozent höheres Brustkrebs -risiko haben. Bei der doppelten Trinkmenge steigt das Risiko auf siebzig Prozent.

Das Gift Alkohol sorgt nicht nur für mehr Tote durch Krebs- und Herz-Kreislauferkrankungen. Auch bei Unfällen spielt die Volksdroge eine bedeutende Rolle. Korrekte Zahlen lassen sich kaum erfassen. Der Schein offizieller Statistiken trügt gewaltig: Laut Statistischem Bundesamt sind 1997 insgesamt lediglich 5.583 Menschen direkt an ihrem Alkoholkonsum gestorben. Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren spricht dagegen von jährlich rund 18.000 Menschen, die durch Alkohol sterben. Hinzu kämen schätzungsweise 40.000 Unfalltote – die fahr- und verkehrsuntüchtigen Opfer des „Gläschens in Ehren“.

Doch den Alkohol prinzipiell als Teufelszeug zu verdammen, ist weder angemessen noch entspricht es der Realität. Beispielsweise schützen die in Eichenfässern gelagerten Barrique-Weine vor Herzinfarkt . Der bacchantische Trunk senkt außerdem das für die Arterienverkalkung verantwortliche LDL-Cholesterin. Hinweise auf positive Effekte gibt es viele. Selbst die Mediziner der American Cancer Society, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der englischen Oxford University plädieren für einen bescheidenen Alkoholkonsum, nachdem sie 490.000 Probanden in einer Langzeitstudie beobachtet und untersucht hatten. Ihr Fazit im Fachblatt „New England Journal of Medicine“: Abstinenzler haben im Vergleich zu moderaten Genießern ein um zwanzig Prozent höheres Sterberisiko. Mehr als ein halber Liter Bier oder ein viertel Liter Wein pro Mann und Tag darf es allerdings nicht sein, warnt die DGE; bei Frauen reicht sogar schon die Hälfte. Jeder Milliliter Alkohol mehr ist teuer erkauft – mit der Gesundheit.

https://www.noel-verlag.de/bücher/schmalz-jens/